Be You is back!

Ich war genervt und fühlte mich kraftlos: Alles drehte sich für mich nur noch um die Umsetzung MEINER Idee „Bewerben ohne Werben – Just be“, die damit zum Zentrum meines Daseins wurde und mich nahezu komplett vereinnahmte.

Um mich von dieser „Besessenheit“ zu befreien, beschloss ich MEINE Idee endlich loszulassen – um nicht zu sagen „aufzugeben“! Ich spürte die Sehnsucht in mir, mich von meinen persönlichen Anschauungen loszureißen und einzutauchen in den Fluss des Lebens, um mich hinwegtragen zu lassen und als Teil eines vollkommenen Universums zu fühlen.

Bevor ich diesen inneren Hunger stillen kann, musste ich jedoch erst noch begreifen, was es alles in meinem Leben loszulassen und zu verabschieden galt. Ich erinnerte mich an etwas, das ich bereits vor einigen Jahren erkannt hatte: Alles ist bereits in mir – und damit auch die Verbundenheit. Was hielt mich also davon ab, diese Verbundenheit zu spüren?

1. Schluss mit dem Festhalten an eigenen Ideen, Konzepten und Methoden, um die Welt zu verbessern

Es macht mir Spaß zu hinterfragen und aus gewonnenen Erkenntnissen neue Ideen abzuleiten. So entstand auch die Idee für einen „Demokratischen Bewerbungsprozess“ als Seins-Prozess „Bewerben ohne Werben – just be“. Ich freue mich über die Menschen, die ich damit erreicht habe und über die Veröffentlichung eines Beitrages in der Agora42-Ausgabe 01/2018. Wer ihn jetzt noch einmal lesen möchte, hat hier die Chance dazu: Revolution in der Mitarbeiterauswahl.
Der Austausch, der dabei immer entsteht, hilft mir zu erkennen, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, sondern viele unterschiedliche Perspektiven – die Vielfalt an Sichtweisen auf ein und dieselbe Sache finde ich dabei sogar spannender als die Verbreitung einer Idee. Anstatt weiterhin im Außen über die Umsetzung eines vagen Konzepts zu schreiben und zu diskutieren, hatte ich somit vielmehr den Wunsch mein Inneres zu bereisen.

2. Schluss mit der Anhäufung von Wissen und dem Lesen von Büchern in einer Sprache, die mir einfach zu sehr im Denken verhaftet ist

Ich verlor im letzten Jahr zunehmend die Lust, Bücher zu lesen – die Inhalte waren spannend und ich fand viele meiner Gedanken darin wieder, aber ich hatte das Gefühl, die Wahl der Worte bzw. die Sprache nicht mehr ertragen zu können – auch die Autoren kreisen oftmals nur um ihre eigenen Vorstellungen und Überzeugungen. Es fühlte sich in zunehmendem Maße erdrückend für mich an, statt meinen Horizont zu erweitern. Ich sehnte mich wieder nach inneren Erkenntnissen, die frei und spontan aus den Tiefen meines Selbsts den Weg zu mir finden – durch Erleben und Erfahren, statt durch Anhäufung von Informationen.

3. Schluss mit dem Schreiben und dem krampfhaften Versuch die richtigen Worte zu finden

Ich war müde, die richtigen Worte für etwas zu finden, was ich fühle und eigentlich überhaupt nicht richtig beschreiben kann – und je mehr ich darüber nachdachte, wie ich etwas beschreiben soll, desto weniger fühlte ich es. Das war der Grund, warum ich ein Jahr lang keinen einzigen Beitrag verfasste. Ich war zu stark in meinen Gedanken verhaftet und fühlte mich nicht mehr im Fluss. Das Schreiben, das Lesen, sogar das Darüber-Sprechen – die Sprache im Allgemeinen – schaffte in mir eine permanente Distanz zu meiner Gefühlswelt. Auch jetzt fällt es mir wieder schwer, einfach loszuschreiben – ich neige dazu, alles zu analysieren und doppelt und dreifach zu hinterfragen, um in mir eine klare Haltung oder Position zu finden und meine Gedanken möglichst für andere Menschen nachvollziehbar aufzuschreiben. Vielleicht ist es ein Schutz den ich suche, aber auch davon möchte ich mich befreien. Ich möchte schreiben und damit furchtlos meine Erfahrungen annehmen. Ich will mit dem Schreiben nicht den Fokus auf meine Persönlichkeit oder mein Ego legen, sondern auf das Erkennen – auf das innere Licht in mir*. Auch wenn das, was ich schreibe für andere nicht leicht zu verdauen ist, sich widerspricht und vielleicht sogar komplett unverständlich erscheint, muss es nicht meine Sorge sein, denn es hilft mir dennoch, mein Innerstes zu erweitern und mehr Klarheit zu erlangen; Und in dem Maße, wie ich mich erweitere, wird sich auch mein Sprachgebrauch erweitern, was mir dabei hilft, zukünftig noch befreiter schreiben zu können.

Es war mal wieder eine ganz besondere Fügung in meinem Leben, dir mir dabei half, all diese Dinge umzusetzen!

Ich wollte weniger Zeit mit dem Schreiben und mehr Zeit mit den realen Menschen als Dozentin verbringen. Ich fragte also in meiner Freiberuflichkeit als Dozentin nach mehr Stunden. Aufgrund der Scheinselbstständigkeit ist das jedoch ein Problem. Der Gegenvorschlag war daher eine Festanstellung in Vollzeit – damit hatte ich nicht gerechnet und daran hatte ich auch überhaupt nicht gedacht – aber irgendwie fühlt es sich nach fünf Jahren Freiberuflichkeit einfach genau richtig an. Ich nahm das Angebot dankbar an und es ergab sich daraus eine komplett neue Arbeitsweise für mich. Zum allerersten Mal hatte ich die Möglichkeit, reine Einzelsitzungen im Bereich Bewerbungstraining und Förderunterricht zu geben. Ein wahres Vergnügen mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Hilfe aus freien Stücken suchen und dabei selbst entscheiden können, an welchem Tag und zu welcher Tageszeit (zumindest im Rahmen der Öffnungszeiten) sie bereit sind, diese auch anzunehmen: Einfach nur da zu sein, zuzuhören, mich auf die Menschen einzulassen, Wünsche aufzugreifen, Ziele zu finden und bei der Umsetzung zu helfen – so wie ich kann und wie die Menschen Hilfe benötigen – ohne darüber zu werten oder zu urteilen. Die Zusammenarbeit, die sich daraus entwickelte, begeisterte mich wieder, entfachte endlich wieder mein Feuer und fühlte sich wieder nach lebendigem Tun an – frei aus dem Herzen heraus! Das habe ich die letzten Monate sehr genossen! DANKE!

Wie es weitergeht…

So fühle ich mich heute von dem gedanklichen Ballast befreit und losgelöst und bin bereit einzutauchen – in den Fluss des Lebens, um mich hinwegtragen zu lassen und Eins zu sein, mit der Welt und allem Leben. Aber wie genau funktioniert das eigentlich? Wie kann ich wieder lernen zu spüren, dass ich mit allem Leben auf diesem Planeten in einer universellen Einheit verbunden bin – egal ob Pflanze, Tier oder Mensch, in der Zeit und Raum nicht existiert? Ich bin entschlossen und empfindsam genug, auch feinere Wahrnehmungen außerhalb meiner fünf Sinne zu beachten und zu kultivieren und gespannt, was sich mir in dieser neuen geistigen Dimension offenbart.

Alles Liebe und bis bald, Christina

* Um mir das Leben beim Verfassen dieses Beitrags zu erleichtern, habe ich mich bei einzelnen Sätzen an Textpassagen aus Michael Roads Buch „Mit der Natur reden“ angelehnt. Interessanterweise ist es nach langer Zeit das erste Buch, was keine Ablehnung in mir auslöst, sondern mir dabei geholfen hat, wieder meine Gefühls- statt Gedankenwelt anzusprechen und sie zum Ausdruck zu bringen.

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