Kleine Idee mit großer Wirkung

Im Januar 2014 sahen wir den Kinofilm „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“, der uns zu einem 4-monatigen Aussteiger-Abenteuer in Südamerika inspirierte. Es sollte kein gewöhnlicher Urlaub werden, das stand fest! Hinflug: 28. Dezember 2014 Frankfurt am Main – Buenos Aires; Rückflug: 28. April 2015 Lima – Frankfurt am Main. Weiterer Reiseverlauf ungewiss…

Zu Beginn lebten wir unsere große Leidenschaft für die Berge aus und wanderten durch spektakuläre, atemberaubende Landschaften.

Torres del Paine & Co. sei Dank!

Mit schwerem Rucksack, dank zahlreicher Essensvorräte und Zelt marschierten wir los. Noch nie haben täglich Spaghetti mit Tomatensoße und Thunfisch so gut geschmeckt. Die Welt hält unfassbare Schönheit für uns bereit!
Torres del Paine

Im Laufe unserer Reise recherchierte ich immer wieder über die Seite www.workaway.info nach spannenden Freiwilligen-Projekten in der Gegend, in der wir uns gerade befanden. Ein Eco-Project in der Nähe von Puerto Varas klang sehr beeindruckend. Wir schrieben Greg, unserem zukünftigen Host und bekamen nur wenige Tage später eine Antwort. Damit begann eine unserer aufregendsten Erfahrungen auf unserer Reise!

Lago Rupanco, Chile – ein Paradies auf Erden

Greg ist halb-Amerikaner, halb-Chilene und lebt auf einer 300 Hektar großen Farm, direkt an einem wunderschönen See gelegen, mit freiem Blick auf Berge und einen Vulkan. Eingebettet in einem Wald wohnten wir, gemeinsam mit 16 anderen Freiwilligen, zunächst in einer Scheune ohne Elektrizität und Wasseranschluss und später dann in einer Lodge direkt am See. Wir trafen dort Menschen aus aller Welt: USA, Ukraine, Uruguay, UK, Canada, Ecuador und natürlich Chile. Lago Rupanco Von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis ca. 14 Uhr arbeiteten wir auf der Farm: Wir sammelten chilenische Haselnüsse, Brombeeren, ernteten zu dieser Zeit Kartoffeln, hackten Holz, bauten ein neues Gehege für die Schweine, trugen Gänse und Ferkel in ihr neues Zuhause, wir lernten zu imkern, buken Brot, bereiteten gemeinsame Mahlzeiten vor und verlegten ein Stromkabel. In der freien Zeit badeten wir im See oder schwammen zu einem 200 m hohen Wasserfall. WP_20150303_006 Auf der Farm erzählten wir davon, dass wir auch gerne einmal bei der Ernte auf einer Kaffee- oder Kakaoplantage helfen würden – promt erwähnte jemand aus der Runde, dass er vor einigen Wochen in Peru unterwegs war und in Cusco jemanden kennt, der jemanden kennt, der eine Kaffeeplantage im Dschungel in Peru besitzt. So bekamen wir den Kontakt von Manuel und Daniel. Wir schrieben eine Mail, verabredeten uns via Skype für ein kurzes Kennenlernen. Er warnte uns vor, machte uns auf den geringen Komfort in dieser Gegend aufmerksam – all das sollte uns nicht abschrecken und damit wartete bereits das nächste fantastische Abenteuer, in einer neuen Welt, auf uns.

Doch bis dahin lagen noch einige Wochen und einige tausend Kilometer vor uns, die wir uns ebenfalls nicht entgehen lassen wollten. So besuchten wir die Imker-Familie, die wir auf der Farm kennenlernten in ihrem Zuhause in Curico, reisten weiter nach Santiago de Chile, besuchten dort wiederum andere Chilenen, die wir zuvor kennenlernten und erfuhren eine solche Gastfreundschaft wie noch nie zuvor in unserem Leben! All diese Begegnungen und Reiseziele hätten wir niemals im Voraus planen können, sie entstanden Schritt für Schritt im Laufe unserer Reise, aus den Momenten heraus und machten unsere Reise zu einem unvergesslichen Highlight unseres Lebens.

Meine persönlichen Learnings:
Durch die Gemeinschaft habe ich neue Wohn- und Lebensformen kennenlernen dürfen und eine Menge über Permakultur erfahren. Vor allem zeigten mir die Gespräche mit den Menschen, die ihre Jobs gekündigt hatten, Sabbaticals machten oder einfach nach Lust und Laune reisten, bis das Geld aus ist, dass ich mit meinen Gedanken und Ideen nicht alleine auf dieser Welt bin. Das alles machte mir sehr viel Mut, endlich meinen Blog zu veröffentlichen und ihn um die Dimension Nachhaltigkeit und Jobs mit Sinn zu erweitern.

„We were on fire“ und so wollten wir unbedingt auf zum nächsten Projekt.

Eco-Centrum Eluwn, Melipilla, Chile

Wieder fanden wir in Chile ein spannendes Permakultur-Projekt. Nach einigen Umwegen ließ uns der Busfahrer an einer Abzweigung mitten im Nirgendwo raus. Es war unfassbar heiß und um uns herum sah es aus, wie in der Wüste. Mit schwerem Gepäck arbeiteten wir uns langsam auf dem etwas ansteigenden Weg einer staubigen Schotterpiste vor, bis wir plötzlich erste verkohlte Zaunpfähle sahen. Eluwn Um uns herum wurde es immer schwärzer: Verkohlte Büsche und Bäume und plötzlich tauchte vor uns ein vollständig ausbegrannter Jeep auf. Als wir eine weitere Kurve liefen, wurde uns klar, das Eco-Village, Eluwn, existierte nicht mehr.

So traten wir perplex den Rückzug an. Ein alternatives Wwoof-Projekt hatte ich bereits in petto. Wir nahmen somit noch am selben Tag den Bus nach Valparaiso, wo uns schon am nächsten Tag Camilo empfing, der dringend Unterstützung für sein Bau-Projekt suchte.

Botanischer Garten „Paradiso Escalante“ in der Nähe von Valparaiso (Quillota), Chile


Als wir auf dem Gelände eintrafen, erwartete uns eine Oase aus sattem Grün und Palmen. Quillota - Woofing bei Camilo Wie wir erfuhren war es 20 Jahre zuvor eine staubige Einöde, was für diese Gegend relativ typisch ist. Diese Einöde verwandelte Camilos Vater mit viel Liebe und Hingabe im Laufe der Jahre in das „Paradiso Escalante“. Das ist wirklich beeindruckend, wenn man bedenkt wie viele verschiedene Baumarten dort existieren, die vollständig eigenhändig gepflanzt wurden. Zu Camilos eigenen Projekten gehört der Bau eines Öko-Schwimmteiches und eines Ökohauses aus Lehm und Stroh, bei dem wir halfen das Dach auszukleiden. Quillota - Woofing bei Camilo Dafür trugen wir Lehm aus dem Boden ab und mischten es mit Wasser und danach mit Händen und Füßen, solange bis es schön cremig war – eine wunderbare Aufgabe, bei der ich mich in meine Kinheit zurückversetzt sah. Danach wurde das Ganze mit ausreichend Stroh gemischt und auf dem Dach verteilt. Gekocht wurde in einer Outdoorküche und inmitten von Palmen und Zitronenbäumen fanden wir einen wunderschönen Platz, um unser Zelt aufzuschlagen.

Meine persönlichen Learnings:
Dieses Projekt hat definitv meine künstlerisch-handwerkliche Ader angesprochen! Zudem fand ich das Kochen in der Sommerküche faszinierend und wurde auf das Thema „ökologisches Bauen“ aufmerksam. Damit lassen sich auch in der Baubranche sinnstiftende Jobs finden!

Einige Wochen und viele tausend Reisekilometer später, war es schließlich soweit. Wir erreichten Cusco. Von dort führte uns eine atemberaubende Fahrt über die Anden Perus nach Quillabamba, wo uns bereits Daniel erwartete, um uns zur Kaffeeplantage mitten im Peruanischen Dschungel zu führen.

Kaffeplantage, Quillabamba, Peruanischer Regenwald

Insgesamt lebten und arbeiteten wir dort zwei Wochen bei zwei liebenswerten Familien, die ausschließlich Quechua sprachen und ihren Lebensunterhalt als Kleinbauern auf einer eigenen Kaffee- und Coca-Plantage verdienten. IMG_7707 IMG_8125 Wir halfen bei der Ernte und lernten den gesamten Kaffeeproduktionsprozess kennen. Das Leben dort ist sehr einfach und doch haben wir uns unfassbar gesund in dieser Zeit ernährt, ausschließlich mit selbstangebautem bzw. wildwachsendem Obst- und Gemüse (Bananen, Kaffee, Ananas, Ingwer u.v.m., 100% bio.

Meine persönlichen Learnings:
Hier habe ich zum ersten Mal gesehen, wie die Welt aussieht, wenn weit und breit keine Pestizide verwendet werden: Millionen von Schmetterlingen und anderer Insekten schwirrten um uns herum. Selbstversorgung und Permakultur wurde hier par excellence gelebt. Das erstaunliche, was mir jedoch erst zu Hause in Deutschland auffiel: Bei dieser Lebensweise fällt extrem wenig Müll an! Noch nie habe ich Menschen gesehen, die so ein ursprüngliches (minimalistisches) Leben führen. Wir in Deutschland denken oft, dass diese Menschen arm sind, doch sie sind es nicht! Es ist ihr Leben und sie sind dort nicht weniger glücklich als wir hier.

Die Heimkehr mit einem Rucksack voller Erfahrungen und neuer Erkenntnisse!

Diese Reise hat mich einem Leben im Einklang mit der Natur sehr Nahe gebracht: Noch nie habe ich so viele Tage ausschließlich draußen gelebt, unser Tagesrhythmus wurde dabei von der aufgehenden und der untergehenden Sonne bestimmt. Es ist spannend, wie schnell man sich an so wenig Komfort gewöhnt, ohne dabei etwas zu vermissen. Diese Reise hat mich dazu bewegt, meine eigenen Konsum- und Lebensgewohnheiten nicht nur zu hinterfragen, sondern tatsächlich auch nachhaltig zu ändern.

Manchmal muss man wohl bis ans Ende der Welt reisen,…

Obwohl ich durch meine Eltern mit einem großen Obst- und Gemüsegarten aufgewachsen bin, musste ich wohl bis ans Ende der Welt reisen, um die Themen geldfreier, minimalistischer und plastikfreier Leben, Selbstversorgung, Permakultur, Ökologische Gemeinschaften und ökologisches Bauen für mich zu entdecken. Vielleicht brauchen wir manchmal einige tausend Kilometer Abstand von unserem Alltag, um unsere Augen zu öffnen.

Wer oder was hat dich dazu inspiriert, dich mit den Themen Jobs mit Sinn, Nachhaltigkeit & Co. auseinanderzusetzen?

Dieser Beitrag ist Teil der Blog-Parade „Kleine Idee mit großer Wirkung“ von Jan Hendrik Höpker. Mehr dazu unter www.HabitGym.de/BPklein_gross/

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8 thoughts on “Kleine Idee mit großer Wirkung

  1. Hallo Christina,

    Vielen Danke für deinen spannenden Beitrag zur Blogparade. Habe direkt Lust bekommen, auch mal auf diese Art zu verreisen.

    Viele Grüße,
    Jan

  2. Liebe Christina,
    wie unheimlich spannend deine Erlebnisse klingen!
    Südamerika steht auch schon lange auf meiner Reiseliste – vorallem wegen der Berge (ich habe mich gleich in das Panaromafoto ganz oben im Beitrag verliebt :)).

    Witzig, dass euch „Walter Mitty“, der ja in Island spielt, ausgerechnet zu Südamerika inspiriert hat. War das schon immer ein Traum von euch?
    So oder so ist es ein wunderbarer Film – mich hat er auch total bewegt und das Fernweh geweckt. Toll, dass ihr euch wirklich in dieses Abenteuer gewagt habt und du so viel daraus mitnehmen konntest!

    Zu deiner Frage am Ende: Für mich ist es das Reisen und andere Kulturen generell, das mich immer wieder mein eigenes Verhalten reflektieren lässt. Allerdings habe ich auch noch nie so „Urlaub“ gemacht wie ihr. Finde ich aber sehr, sehr nachahmenswert 🙂

    Alles Liebe,
    Chrissi

    1. Liebe Chrissi, vielen Dank für deine Nachricht, freut mich, wenn du dich von dem Artikel inspirieren lässt – ich kann es wirklich nur sehr empfehlen!!!
      Südamerika hat sich ergeben, weil wir gerne zur Winterzeit reisen wollten und Australien und Thailand hat uns einfach weniger gereizt… Viele Grüße, Christina

  3. Hi, great to read your blog! I had it translated to English! I was hoping you might be able to provide contact details for the people and places you worked. Was the work in exchange for food and accommodation? Thanks

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