Bewerber zum Mitmachen einladen – ohne Vorauswahl (…ein Update)

Fast 43% aller Befragten der „Candidate-Journey-Studie 2017“ denken nach der Einstellung darüber nach, den Job wieder zu wechseln und bewerben sich neu, weil die Aufgaben nicht wie erwartet sind, die Zusammenarbeit mit der direkten Führungskraft nicht passt oder Weiterentwicklungsmöglichkeiten fehlen.

Vielleicht hast du auch die Erfahrung gemacht, dass nach der Vorauswahl und Vorstellungsgesprächen überhaupt kein Bewerber passend erschien? Oder der Bewerber, der für passend empfunden wurde, hat sogar selbst die Stelle wieder abgelehnt?

Was läuft schief?

0815-Stellenanzeigen, die austauschbare Bewerbungen hervorrufen, eine Vorauswahl, in der die Bewerber oftmals nach lebenlauf-basierten, harten Fakten gefiltert werden, die aber vielleicht überhaupt keine zentrale Rolle dabei spielen, ob dieser Mensch tatsächlich zu dem Unternehmen passt und einen guten Job machen wird, und Gespräche, in denen oftmals die Selbstdarstellung im Vordergrund steht, ohne die Chance für den Bewerber, das Arbeitsumfeld, die Kollegen und die Arbeit selbst tatsächlich zu erleben. Oftmals bleiben die Vorstellungen und Wünsche der Bewerbenden dabei unausgeschrieben und -gesprochen – vielleicht auch aus Angst zu viel zu wollen und eine Absage zu erhalten…

Wenn dir all diese Dinge bekannt vorkommen, ist es Zeit über einen Wandel im Bewerbungsprozess nachzudenken. Denn,…

…es geht auch anders!


Wie? Der Bewerber oder die Bewerberin hat die Chance an einem Tag mitzuarbeiten und sich zu beweisen, das Team kennenzulernen und die Arbeitsatmosphäre zu erspüren, ohne dass eine Vorauswahl seitens der Personal- oder Fachabteilung stattfindet. Nach diesem Tag stimmen die Mitarbeiter über diesen Kandidaten ab.
Ziel meiner Projektidee „Bewerben ohne werben – Just be“ ist es damit, bei der Mitarbeiterauswahl zukünftig nicht nur Mitarbeitern eine gleichberechtigte Stimme zu geben (wie es manche Unternehmen wie die sipgate GmbH in Düsseldorf bereits tun), sondern auch den Bewerbenden selbst. Für weniger Selbstdarstellung und dafür mehr Transparenz und Mut zur Authentizität auf beiden Seiten – für eine nachhaltige Zusammenarbeit und eine Job- bzw. Mitarbeitersuche auf Augenhöhe!

Alles kalter Kaffee? Nun folgt das Update:


Seit meinem letzten Beitrag haben sich bereits erste Mitstreiter gemeldet – darüber freue ich mich sehr und hoffe natürlich, dass es noch mehr werden! Jetzt fehlen nur noch die ersten Unternehmen! In der letzten Woche besuchte ich ein Meet Up von Intrinsify.me in Dortmund, bei dem ich meine Projektidee (auch Unternehmern) kurz präsentiert habe. Die Idee traf auf sehr großes Interesse, so dass ich während eines kurzen Workshops die Idee näher erläutern und diskutieren durfte. Kritische Punkte waren die fehlende Vorauswahl der Kandidaten und wie genau so ein Mitmachtag nun aussehen kann. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle Workshop-Teilnehmenden und Mitstreiter, die sich gemeldet haben: Unser Austausch hat mir sehr dabei geholfen, meine Projektidee weiter zu entwickeln – daher erfolgt nun ein kurzes Update!

Tools für eine Selbstauswahl des Bewerbers statt einer herkömmlichen Vorauswahl


Auf einer Online-Plattform sollen sich zukünftig Bewerber, Unternehmen und auch direkte Personalvermittler auf Augenhöhe begegnen. Daher können nicht nur Unternehmen ihre Vision, Unternehmenskultur und Aufgaben mit den Terminen für Mitmachtage posten, sondern auch Bewerber können auf dieser Online-Plattform ein Profil anlegen, mit ihren Erfahrungen, Wünschen und Erwartungen, in dem sie zum Beispiel die folgenden Fragen beantworten:

  • „Whats your Why“? – Was treibt dich an?
  • Wie und mit welchen Fähigkeiten und Erfahrungen möchtest du dich gerne bei uns einbringen?
  • Wie möchtest du gerne arbeiten?
  • Was möchtest du in deinem nächsten Job gerne lernen? Welche persönliche und fachliche Entwicklung wünschst du dir?

Die Fragen helfen den Bewerbern sich bewusster mit dem neuen Job und dem Unternehmen und mit sich selbst auseinanderzusetzen. Mit diesem Profil (statt mit einer Bewerbung) können sich Bewerber bei den Mitmachtagen / Mitmachprojekten anmelden (oder auch von Unternehmen / direkten Personalvermittlern gefunden werden). Meldet sich ein Bewerber für einen Tag an, hat das Unternehmen die Chance, den Bewerber bereits vorher zu kontaktieren. Denkbar wäre auch eine kleine Aufgabe, um dem Bewerber eine bessere Selbstauswahl bzw. -einschätzung zu ermöglichen. Die Entscheidung, ob der Bewerber an dem Tag teilnimmt oder nicht, bleibt aber die Entscheidung des Bewerbers. Ein Self-Assessment – egal welcher Art – sollte demnach nicht einer Vorauswahl dienen, sondern dem vorzeitigen Kennenlernen und zudem Unternehmen die Chance geben, diesen Tag oder die Gespräche besser vorzubereiten.

Wie kann ein solcher Mitmachtag aussehen?


Das Ziel dieser Projektidee ist nicht, einen Mitmachtag zu entwickeln, der in jedem Unternehmen gleich abläuft. Sondern Unternehmen sollen ermutigt werden, selbst zu überlegen, wie ein solcher Tag konkret aussehen kann: Ob man einen Bewerber für einen Tag erlebt oder für einen Tag mehrere Kandidaten einlädt und danach vielleicht zwei Kandidaten auswählt und diese nochmals zum Gespräch einlädt? Es gibt viele Möglichkeiten, ihr kennt jedoch euer Unternehmen, eure Aufgaben und euer Team am Besten, um abzuschätzen, wie man einen solchen Tag gestalten kann, so dass das Team auch dahinter steht und für welche eurer Jobpositionen eine solche Herangehensweise geeignet ist. Ein Ziel für die Zukunft ist es, unter anderem auch Best-Practice-Beispiele auf der Online-Plattform zu zeigen, um den Wandel für nachkommende Unternehmen zu erleichtern. Aber wie bei jedem Wandel, braucht es jemanden, der den Anfang macht! Vielleicht du?

Wie kann die interne demokratische Abstimmung am Ende aussehen?


Am Ende diskutieren die Mitarbeiter anhand vorher ausgewählter Kriterien wie analytisches Verständnis und innovatives Denken ihre Beobachtungen. Denkbar wäre auch, dass jeder Mitarbeiter für jeden Bewerber einen vorher festgelegten Kriterienbogen bekommt und den Bewerber entsprechend bewertet, Beobachtungen notiert, um danach die Bewertungen besser vergleichen zu können. Eine Mitarbeiterauswahl erfolgt somit nicht ausschließlich nach Bauchgefühl, sondern bezieht Perspektiven unterschiedlicher Menschen und Arbeitsergebnisse mit ein, mit der Möglichkeit, auch nicht ausgewählten Bewerbern anschließend ein konkretes, konstruktives Feedback zu geben, statt einer Standardabsage.

Wie gehts weiter – der Schritt zum Kick-Off

Vielleicht führst du ein Unternehmen, dass bereits demokratische Strukturen besitzt – ähnlich wie die sipgate GmbH in Düsseldorf – und möchtest nun den nächsten Schritt gehen und die Demokratie um eine Dimension erweitern?
Oder du bist Gründer eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens, dem es wichtig ist, die Welt und die Gesellschaft nachhaltig weiter zu entwickeln und möchtest hands-on diese Methode einfach mal ausprobieren? Es genügt für den Anfang eine kurze Kontaktaufnahme über info@beyou-blog.de oder telefonisch. Über einen Austausch bzgl. eurer Erfahrungen bei der Mitarbeiterauswahl freue ich mich sehr!

Im Anschluss ist es mein Ziel Projekt-Partner, Bewerber und Unternehmen, die sich für einen Wandel im Bewerbungsprozess einsetzen möchten, in einem Kick-Off Workshop zusammenzubringen, um den Dialog und damit die Empathie und den Erfahrungsaustausch zwischen allen Parteien zu fördern: Gemeinsam Selbstauswahl-Tests/-Fragen erörtern, erste Ideen für einen Mitmachtag entwickeln, überlegen, wie die demokratische Abstimmung konkret erfolgen kann sowie kritische Punkte und Widerstände diskutieren.

Vielleicht genügt am Ende ein einziger Bewerber, dem der Job wichtig genug ist, um sich einen Tag „freizuschaufeln“, um dich und dein Team kennenzulernen!

Mit ein bisschen Vertrauen und Mut können wir gemeinsam viel bewegen! Bist du bereit? Dann freue ich mich auf deine Nachricht!

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